“Wenn ihr keiner zujubelt, glaubt Merkel daß sie taub wird.”

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Yves Calvi [Moderator]: Deutschland hat also den Migranten die Arme geöffnet, mit Angela “Mutti” Merkel in erster Linie.

Éric Zemmour: Ja, Mutter Angela, der Stolz, der Ruhm, die Ehre Europas, die zukünftige Friedensnobelpreisträgerin, die Menschwerdung eines Kontinentes von Müttern die das Bild eines toten Kindes nicht ertragen. Die europäische und französische Presse salbte Angela I. zur Kaiserin. Hollande leidet unter Spott weil er sich mit Verzögerung unterwarf. Der Finanzknut droht den osteuropäischen Machthabern, zu arm um mitreden zu dürfen. “Die Folterinstrumente hole ich nicht sofort raus, lasst uns handeln wie gute Kameraden”, bewarnte sie Angela die Erste. Egalitär und brüderlich ist das unter der teutonischen Fuchtel stehende Europa. Die Deutschen sind groß, die Deutschen sind gut, die Deutschen sind großzügig. Keiner denkt mehr daran, ihnen ihre buchhalterische Gefühllosigkeit gegenüber den Griechen vorzuwerfen, noch weniger daran, sie als SS zu schminken, oder sie mit einer Pickelhaube zu versehen. Das Foto eines Flüchtling-Kindes, das zu seinem Schutze die Mütze eines deutschen Polizisten trägt, verdrängt im kollektiven Unterbewusstsein das Foto eines anderes Kindes, vor dem Warschauer Ghetto stehend, sicht fürchtend vor der androhenden deutschen Armee. Geschichtlich spielt Merkel ein gewagtes Spiel. Durch einen bemerkenswerten Medienblitzkrieg radiert sie Hitler, Wilhelm II., und sogar Bismarck aus. Es ist das Bild eines ländlichen, großzügigen, träumerischen, romantischen und pazifistischen Deutschlands and dem sie wieder anknüpft, jenes Bild das im neunzehnten Jahrhundert Madame de Staël und all die Intellektuellen der französischen Linke herstellten.

Yves Calvi: Die Entscheidung der Kanzlerin hat auch Wirtschaftliche Hintergründe, nicht wahr Éric?

Éric Zemmour: Ja, in der Zwischenzeit hegten deutsche Bosse einen Traum: eine massive, verformbare, billige Arbeitskraft wird in ihren Fabriken die blonden Köpfe ersetzen, die einheimische Frauen nicht zur Welt brachten. Dieser wirtschaftliche Zynismus und diese menchenrechtlerische Romantik stimmen in einer für sie als humanistisch geltenden Vision ein des bodenunabhängigen Individuums, ohne Bindungen, ohne Wurzeln, ohne Vergangenheit und ohne Kultur: ein austauschbarer Hersteller und Verbraucher. Innerhalb weniger Stunden übernahm Angela Merkel die historische Verantwortung, das tausendjährige Deutschland für immer zu vernichten, um es in ein multikulturelles Land zu verwandeln. Die 800 000 angekündigten Flüchtlinge werden Kinder haben. Millionen von Menschen werden sich auf den Weg machen, die von jetzt an Deutschland wie Amerika im neunzehten Jahrhundert betrachten werden. Doch wer wird am Ende die Rolle der Indianer spielen? Die Deutschen meinen immer, daß was für sie gut ist auch für die Welt gut ist. Ihr romantisches und schwärmerisches Temperament drängt sie oft dazu ohne Maß zu handeln: entweder alles oder nichts. Zu ihrer Zeit meinten französische Nationalisten dazu, Deutschland sei in der Welt immer der große Störer gewesen. Deutschland handelt als sei es allein auf der Welt, aber es ist nicht allein in Europa. Es zwingt seine eiserne Großzügigkeit einem ganzen Kontinent auf, das weder in seinen Finanzen wohlständig wie Deutschland ist, noch dieselbe demografische Leere aufweist. Die Tschechen und Ungarn prophezeien das Ende der christlichen Zivilisation und den Selbstmord Europas. Einige einsame und verlassene Deutsche erinnern daran, daß nicht zum ersten mal in der Geschichte ihr Land eine Katastrophe in Europa verursacht. Aber Merkel kümmert das nicht. Wenn ihr keiner zujubelt, glaubt sie daß sie taub wird.

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